Ein Shiba geht zur Schule- Therapiebegleithund Choshi

 

Choshi wurde im Dezember 2018 als erster Shiba zertifizierter Therapiebegleithund im Berufsverband für Therapiebegleithund aufgenommen. Seitdem ist er fester Bestandteil eines kynopädagogischen Konzeptes einer Wiesbadener Grundschule. Choshi wird überwiegend in der Vorklasse eingesetzt. Dort hilft er schulpflichtigen, aber nicht schulreifen Kindern, schulrelevante und persönliche Kompetenzen zu entwickeln.

Die Förderschwerpunkte der Kinder sind dabei sehr unterschiedlich (von motorischen, sozialen über psychischen Förderschwerpunkten).

Choshis Aufgaben in der Klasse sind dabei sehr unterschiedlich. Ein wichtiger, wissenschaftlich erwiesener, Effekt ist, dass allein schon die Anwesenheit eines Hundes Kinder beruhigt. Dies liegt an der vermehrten Produktion des Hormons Oxytocin. Sowohl bei sehr unruhigen als auch bei schüchternen Kindern hat dies einen sehr förderlichen Effekt. Außerdem stellen gezielte Übungen mit Choshi einen wichtigen Bestandteil des Schultages dar. Das sogenannte „Lagern“ der Kinder am/auf dem Hund wirkt sich positiv auf die Motorik (das Kind legt sich vorsichtig mit dem Kopf auf den Hund, muss sich positionieren und streichelt das Fell) und die Sinneswahrnehmung (Wahrnehmung von Atmung, Herzschlag, Fellbeschaffenheit). Dabei bleibt der Hund ruhig auf der Seite liegen, während das Kind sich mit dem Kopf auf den Brustkorb des Hundes legt. Für das Kind ist es zudem eine sehr vertrauensvolle und innige Situation mit dem Hund. Gerade für Kinder die noch zurückhaltend im Umgang mit Hunden sind ist dies ein enormer Schritt. Deswegen ist es sehr wichtig, dass der Hund absolut ruhig liegt und sich nicht bewegt, egal was die Kinder um ihn herum machen oder sagen.

Ein ergreifendes Erlebnis war hier mit einem Jungen mit Autismus, der laut Eltern Angst vor Hunden nach einem Vorfall mit laut bellenden fremden Hunden entwickelt hatte. Die ersten Begegnungen waren ganz ohne Zwang. Choshi hielt sich mit dem Jungen in einen Raum auf und machte Übungen mit den anderen Kindern der Klasse. Der autistische Junge, durfte dabei selbst bestimmen, wie nah er dem Hund kommen möchte. Er mied Choshi an diesem Tag auch, beobachtete ihn aber sehr genau. Die nächsten Tage an denen Choshi nicht mit in der Schule war, fragte er öfters nach dem Hund. Als Choshi dann wieder in der Klasse war, wollten die Kinder das „Lagern“ ausprobieren. Ein Kind nach dem anderen legte seinen Kopf auf Choshi. Gegen Ende der Übung rutschte der Junge immer näher an Choshi heran und legte auch seine Hand auf seinen Rücken. Choshi blieb regungslos liegen und schloss die Augen. Die Situation war so innig, dass die 17 weiteren anwesenden Kinder auch ganz ruhig wurden. Nachdem der Junge wieder zu seinem Platz zurückging freuten sich alle und machten dem Jungen viele Komplimente. Dieser freute sich sehr. Auch die Eltern waren sehr gerührt und konnten es kaum glauben, dass ihr Junge einen Hund gestreichelt haben soll. Als wir die Übung eine Woche später wiederholten, ging der Junge sichtlich aufgeregt zu Choshi. Er kicherte vor sich hin und legte sich tatsächlich mit seinem Kopf auf Choshi. Für mich war dieses Bild sehr ergreifend, hatte dieses Kind doch vor kurzem Angst gehabt überhaupt mit einem Hund in einem Raum zu sein. Den Eltern habe ich diesen Moment mit einem Bild festgehalten. Die Mutter des Jungen war ebenfalls sehr ergriffen, als sie das Foto sah. Dieses Foto haben wir dem Jungen auf seinen Arbeitstisch in der Schule angebracht. Er hat es sich ebenfalls in seinem Kinderzimmer aufgehangen. Seitdem traut er sich auch andere Übungen mit Choshi zu machen und nimmt sogar ein der Kleingruppenförderung mit Hund teil. Durch die regelmäßigen Übungen konnten wir auch die Nagst vor fremden Hunden reduzieren. Auch ein Jahr nachdem der Junge nicht mehr in unsere Klasse geht, fragt er regelmäßig nach Choshi.

 

Eine weitere Aufgabe von Choshi ist neben der gezielten Förderung von Schülern, ist die Wissensvermittlung rund um das Thema Hund. Dafür besuchen wir die Klassen in allen Jahrgangstufen und vermitteln Wissen um die Themen Umgang mit Hunden, Hundeverhalten/Körpersprache, Ernährung und Entwicklung. Die Kinder lernen außerdem mit Choshi verschiedene Grundkommandos, machen Leinenführigkeits- und Apportierübungen. Bei einem weiteren Termin werden die Kinder dann in einem schriftlichen Test über das Wissen abgefragt und machen eine praktische Prüfung mit Choshi, in der sie verschiedene Übungen absolvieren müssen. Die Kinder erhalten nach den erfolgreichen Prüfungen einen Hundeführerschein mit einem Bild von ihnen und Choshi auf dem ihre Testergebnisse festgehalten sind. Seit dem letzten Schuljahr gibt es auch eine Hunde-AG in der Schule für Schüler ab der 2. Klasse. Dort wird das Wissen über Hunde nochmal vertieft und auch spezielle Einheiten zu verschiedenen Hundesportarten und auch Junior Handling werden eingebaut. Einzelne Kinder trainieren auch für zukünftige Shows mit Choshi.

Einen Shiba als Therapiebegleithund auszubilden ist mit viel Arbeit und viel Zeitaufwand verbunden. Ein großer Dank geht hier an Larissa Kann-Vulpinari, die nicht nur offen gegenüber meinen Plänen war sondern mich auch ausgezeichnet bei der Welpenauswahl unterstützt hat und ihre Welpen hervorragend geprägt hat. Auch die Wahl der Elterntiere ist ein wichtiger Punkt in der Auswahl. Choshis Mutter Emiko ist eine ausgeglichene, offene und arbeitsfreudige Hündin und Choshis Vater Jiro ist ebenfalls die Ruhe selbst, selbstsicher, aufmerksam und ausgeglichen. Das waren perfekte Voraussetzungen, an die wir gemeinsam anknüpfen konnten. Mit 9 Wochen zog der kleine Welpe damals im Mai 2016 ein. Wir gingen von Anfang an ( und bis heute) jede Woche in die Hundeschule, lernen viel und auch immer neue Dinge. Auch wenn es mal steiniger wurde, hieß es dran bleiben und nicht aufgeben. Choshi begleitete mich damals gelegentlich in die Schule und hatte mit ca. 1 Jahr an einem Filmprojekt der Schule mitgewirkt, für das die Schule den ersten Preis des Wiesbadener Filmfestivals erhalten hatte. An dem Film wirkten 30 Schülerinnen und Schüler im Grundschulalter mit.

Nach einem Schulwechsel wurde Choshi dann in meine Klasse als fester Bestandteil des Konzeptes eingeplant. Seitdem begleitet er mich regelmäßig in die Schule. Es ist faszinierend anzuschauen, wie er in den Arbeitsmodus schaltet, sobald er das Schulgelände betritt. Wenn er mit einem Kind arbeitet lenkt ihn nichts und niemand ab. Er arbeitet fokussiert und konzentriert. Im Alltag findet Choshi es überaus langweilig Kommandos ständig zu wiederholen, er möchte dann Abwechslung. Aber wenn er bei 22 Schülern hintereinander seinen Futterbeutel suchen soll oder diese nacheinander auf ihm „lagern“ , ist das kein Problem und er macht es sichtlich mit Freude.

Und genau das war der Schlüssel zum Erfolg des ganzen Projektes „Therapiebegleithund“, dem Shiba die Freude und den Mehrwert für ihn in seiner Arbeit zu vermitteln. Auch einem Shiba kann man bei guter Sozialisierung und viel Training die Freude am Arbeiten mit Menschen und Kindern vermitteln. Eine gute Ausbildung des Menschen, gehört ebenso natürlich dazu und eine sehr enge Mensch-Hund-Bindung.

 

Den Kindern in der heutigen Zeit einen gesunden und artgerechten Umgang mit Hunden zu vermitteln, ist eine Besondere und besonders schöne Aufgabe.

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